Transparency Report von Google

Das Internet soll die Erde zu einem offeneren, vernetzteren und transparenteren Planeten machen. Gerade der Transparency Report von Google macht den Idealisten jedoch sorgen: Die Zahl der Löschanfragen ist 2011 massiv angestiegen. Auch Anfragen nach Nutzerdaten hätten zugenommen, was wiederum Datenschützern Sorgen bereiten dürfte.

Die meisten Löschanfragen kamen aus den USA. Sie bezogen sich auf 6 192 verschiedene Inhalte – mehr als viermal so viele wie noch 2010. In mehr als neun von zehn Fällen kam Google diesen Gesuchen auch tatsächlich nach.

Dass die Rechtssprechung in Bezug auf Internet-Inhalte in jedem Land anders ist, zeigte sich auch im Verhältnis des amerikanischen Internet-Unternehmens zu Anfragen aus anderen Jurisdiktionen. So leistete Google keiner einzigen der 219 Anfragen folge, die aus Russland, der Türkei und aus Ungarn kamen. Diese Diskrepanz zwischen Wertvorstellungen hat die für den Transparency Bericht verantwortliche Google Policy Analystin, Dorothy Chou, in ihrem Blogpost zum Bericht auch angesprochen. Sie zeigte sich besorgt darüber, dass Zensurversuche zunehmend auch aus westlichen Demokratien stammen. Dabei erwähnte sie insbesondere Polen und Spanien.

Der Transparency-Bericht erzählt nichts über die Zusammenarbeit mit den US-Kriminalbehörden, wenn es um die Verfolgung von Kriminellen geht. Experten vermuten aber, dass der Anstieg der allgemeinen Anfragen und die hohe Zustimmungsrate darauf zurückzuführen sind, dass Google in die Pflicht genommen wird, bei dringenden Suchanfragen IP-Adressen seiner Nutzer herauszugeben. Das Unternehmen selbst sagt dazu nur, die Zusammenarbeit mit den Behörden „funktioniere“.

Wer hier Geheimniskrämerei vermutet, sollte allerdings bedenken, dass Google noch ziemlich gut da steht. Es ist bisher der einzige Internet-Dienstleister, der einen solchen Bericht überhaupt vorlegt. Bei anderen Unternehmen würde auch eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Behörden in keiner Statistik auftauchen.

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