100 Accesspoints in Berlin: offen aber sicher

Offene und ungeschützte WLAN-Netze bedeuten oft ein erhebliches Risiko für ihre Besitzer. Denn auch wenn sie nicht selbst illegal werden, sind sie für alle Aktionen in ihrem Netzwerk haftbar. Wenn sich also jemand in ein fremdes WLAN einloggt und dort geschützte Daten hochlädt, muss der Besitzer für den Verstoß haften. Problematisch ist das natürlich für öffentliche Internet-Accesspoints. Damit es dort nicht zu solchen ungerechten Verfahren kommt, programmiert der Förderverein „Freie Netze“ in Berlin gerade 100 solcher offen zugänglichen Internetnetze um.

Dazu ist aber viel Know-How nötig: Denn um sich vor Abmahnern zu schützen, leitet der Verein das Internet über einen schwedischen Anbieter weiter. Der hat 100 so genannte VPN-Tunnel spendiert. Das bedeutet, dass jegliche Aktivität im Netz erst nach Schweden verweist. Dort wird die Anfrage anonymisiert und so modifiziert, dass keine Rückverfolgung mehr möglich ist. Kommt es zu einem Verfahren, stehen die Ermittler mit leeren Händen da.

Profis kennen dieses Verfahren wahrscheinlich schon vom Dienst Tor. Der verschleiert über drei Servern die genaue Herkunft der Anfragen, ist aber auch dementsprechend langsam und wenig sinnvoll für öffentliche Netze. Obwohl solche Lösungen die Rechtsverfolgung hindern, sind sie nicht illegal – was die Sinnlosigkeit der aktuellen Gesetzgebung unterstreicht.

Das Verfahren, das der Verein „Freie Netze“ verwendet, nennt sich Open WRT. Zusammen mit einem WLAN-Endgerät brauchen Besitzer von Internet-Cafés oder -Hotspots nicht mehr um Abmahnungen und Anwälte zu bangen. Die hundert fertigen Boxen mit anonymen Internet werden jetzt an Cafés und Bars in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain verteilt. Die Besitzer der Boxen haben dann die volle Kontrolle über das Netz: Alle Einstellungen können angepasst werden, es gibt keinerlei Einschränkungen oder Nachteile. Der engagierte Verein sieht die aktuelle Gesetzgebung als großes Problem: Die jetzige Rechtsprechung ist ein fauler Kompromiss und ungerecht. Nun ist es an der Politik, bessere und vor allem fairere Alternativen anzubieten.

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